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Vorstellung Verein Tschernobylkinder vom 18.04.2019

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33 Jahre nach dem Super-Gau in Tschernobyl
Jeden Sommer berichtet der «Sarganserländer» über das Ferienlager der Kinder aus der Ukraine im Haus Margess, das vom Verein Tschernobylkinder organisiert wird. Wie funktioniert dieser Hilfsverein und was leistet er alles? Um diese Fragen zu klären, organisierte der Verein Senioren für Senioren Sargans einen Vortrag für seine Mitglieder und Interessierte.

Der Reaktorunfall in Tschernobyl ist einer der grössten bekannten Atomkatastrophen und hatte auch Auswirkungen auf unser Leben, kamen doch Wolken mit atomarem Staub bis in die Südschweiz. Matthias Juzi, ein Gründungsmitglied des Vereins Tschernobylkinder, erinnerte die Zuhörer mit einer informativen PowerPoint Show an das traurige Ereignis. Der Verein Tschernobylkinder leistet im Bezirk Lugini, etwa 120 km westlich von Tschernobyl, vor allem in einigen Dörfern in Schulen Hilfe.

Matthias Juzi erläuterte die politische und wirtschaftliche Situation zur Zeit des Unfalls. Die Ukraine, lange bekannt als Getreidekammer Russlands, gehörte damals noch zu Russland und wurde 1991 ein selbständiger Staat. Wegen des Unfalls und durch Misswirtschaft wurden weite Landflächen nicht mehr bewirtschaftet. Nach dem Unfall entvölkerten sich die Dörfer, es herrscht immer noch grosse Arbeitslosigkeit und Armut. Die politische Situation, vor allem der Krieg im Osten der Ukraine, gibt keine grosse Hoffnung auf eine Verbesserung der Zustände. Die Bilder, die Juzi, der selbst schon viele Male in der betreffenden Gegend war, zeigten Zustände, wie sie bei uns vor 80 Jahren herrschten. Auf den Strassen, die in den Dörfern oft ohne festen Belag und mit grossen Löchern waren, sieht man noch Pferdefuhrwerke. In der Sperrzone um das zerstörte Kraftwerk hat die Natur sich erholt und die verlassenen Dörfer zurückerobert. Es finden sogar Gruppenreisen, mit Geigerzählern ausgerüstet, auf das Reaktorgelände statt.

Bei uns ist der Verein Tschernobylkinder durch das jährliche Kinderlager im Haus Margess bekannt. Jedes Jahr kommen 34 Kinder aus armen Verhältnissen, bisher waren es total 500, für drei Wochen in die Schweiz. Begleitet werden sie von 7 Betreuerinnen und Betreuern aus der Ukraine, die hier von ebenso vielen Schweizern unterstützt werden. Ein abwechslungsreiches Programm mit Besuchen im Bergwerk, auf dem Schloss Sargans, im Zoo Zürich oder in Arosa erfreut die Kinder jedes Mal. Wichtig ist für sie auch eine gute Ernährung mit viel Salat und frischen Früchten. Zeit für Spiele rund ums Haus darf auch nicht fehlen.

Als Hilfe vor Ort leistete der Verein Verbesserungen an Schulhäusern, Kindergärten und Turnhallen, lieferte Ausrüstungsgegenstände und bildete zum Beispiel Turnlehrer an neuen Geräten aus. Es wurden auch Sportanlässe organisiert. Einige Schüler, die ein Gymnasium oder eine Universität besuchen, erhalten ein Stipendium für die Lebenshaltungskosten in der Stadt. Neue Schwerpunkt sind die Verbesserung der Trinkwasserqualität und die Abfallbeseitigung. In einer Gemeinde werden nun die Abfälle sortiert. Mit dem Erlös aus dem Verkauf von Glas, Papier und Petflaschen soll der Aufwand des Sortierens gedeckt werden. Bei der Wasseraufbereitung bestehen grosse Probleme.

Niemand weiss – will wissen – wie stark das Wasser kontaminiert ist und welche Filteranlagen nötig sind.

Alle diese Projekte werden mit Spenden finanziert. Die Hilfe vor Ort wird von Mitgliedern des Vereins eng überwacht und um die Einheimischen zu motivieren immer nur zum Teil finanziert. Die Vereinsmitglieder und Helfer beim Kinderlager helfen ehrenamtlich. Für die Kinder sind auch Kleiderspenden sehr willkommen. Genaue Angaben über Kleiderspenden sind auf der Homepage www.tschernobylkinder.ch/kinderkleider ersichtlich.

Zur Frage der Nachhaltigkeit der Hilfe antwortete Juzi, dass nicht alle durchgeführten Projekte Bestand hatten, dass aber vieles durch die Einheimischen weitergeführt werde. Eine Schwierigkeit bei der Beurteilung und Durchführung von Leistungen sei, die Mentalitätsunterschiede zu berücksichtigen.
Bei vom Verein Senioren für Senioren gespendetem Kaffee und Gebäck und interessanten Diskussionen ging die Veranstaltung zu Ende.